Vizepräsident Krotz glaubt fest an eigenständige Liga

28.08.20

HL: Der HOCKEYLIGA e.V. besteht nun seit knapp 18 Monaten. Was sind deiner Meinung nach die größten Erfolge, die der HOCKEYLIGA e.V. bislang erreicht hat?

Krotz: Wir haben für eine Aufbruchsstimmung in Hockey-Deutschland gesorgt, damit meine ich nicht nur innerhalb der Vereine, sondern auch gegenüber dem DHB und anderen Sportverbänden. Unser Engagement hat auch bei den Bundesligavereinen dafür gesorgt, den Blick über den Tellerrand zu erweitern und sich zu fragen, was sie zukünftig eigentlich wollen. Wir haben zudem das Interesse potenzieller Partner geweckt, die zuvor mit Hockey wenig bis gar nicht in Berührung gekommen sind.

HL: Warum glaubst du fest an eine eigenständige Hockey-Bundesliga?

Krotz: Erstes ist die Eigenständigkeit erforderlich, um einen Gegenpool zum DHB zu bilden und die Vereine zu stärken. Nur mit einer Eigenständigkeit ist eine vom Dachverband unabhängige Professionalisierung möglich. Vorteile sind zum Beispiel ein hauptamtliches Management, stärkere kommerzielle Orientierung, schnellere und kürzere Entscheidungswege sowie effizientere Gremien-Strukturen. Dabei können und sollten wir uns an den Strukturen anderer Verbände orientieren, die diesen Prozess schon erfolgreich durchlaufen haben wie zum Beispiel Handball, Volleyball oder Basketball.

HL: Wo siehst du die größten Hürden bei der Ausgliederung der Bundesliga?

Krotz: Die Haupthürde ist es, einen praktikablen Kooperationsvertrag mit dem DHB auszuhandeln, der den Interessen beider Seiten gerecht wird. Hinzukommt die notwendige Geschlossenheit der Bundesligavereine. Hier gilt es die Interessen von Vereinen, deren Damen und Herren auf dem Feld und in der Halle in der Bundesliga spielen, genauso zu berücksichtigen wie die des Vereins, der nur über einen Zweitligisten in der Halle verfügt. Die dritte Hürde ist ein tragfähiges, nachhaltiges Finanzierungskonzept.

HL: Welchen Einfluss hat in deinen Augen die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen auf die Ziele des HOCKEYLIGA e.V.?

Krotz: Der Prozess der Abstimmung innerhalb des HOCKEYLIGA e.V. hat sich dadurch etwas verzögert, die Abstimmungen mit dem DHB sind dadurch etwas komplexer geworden. Es sind auch neue Themen dazu gekommen, mit denen wir uns vorher nicht beschäftigt haben, wie zum Beispiel die Entwicklung von Szenarien zur Bundesliga-Fortsetzung. Auch die Kontaktaufnahme zu potenziellen Partnern und Sponsoren war pandemiebedingt nur eingeschränkt möglich.

HL: Was wünscht du dir von den Mitgliedern?

Krotz: Ich wünsche mir von unseren Mitgliedern eine aktivere Mitarbeit und Mitgestaltung. Wir verstehen uns als die Interessenvertretung der Bundesligavereine und sind daher darauf angewiesen zu erfahren, was sie umtreibt. Eine bessere interne Kommunikation ist auch innerhalb der Vereine wünschenswert, um die Themen des Hockey-Leistungssports auch stärker im Gesamtverein zu verankern.

HL: Warum sollte ein Bundesligist, der aktuell noch kein Mitglied ist, eintreten?

Der HOCKEYLIGA e.V. plant vielfältige Dienstleistungen wie Streaming-Portale, ein Service Center, Rahmenverträge und spezielle Services, die die Komplexität innerhalb eines Vereines reduzieren wie Travel Management. Wenn die Liga eigenständig wird, ist die Mitgliedschaft Voraussetzung für die Teilnahme am Spielbetrieb. Durch einen stärkeren Auftritt des Hockeysports in der Öffentlichkeit eröffnen sich neue Optionen für die Mitgliedergewinnung, die Diskussion mit lokalen Partnern und Sponsoren sowie Medienpräsenz.

HL: Vielen Dank für das kurze Gespräch!