Köln besiegt Berlin mit 6:4 und steht im Finale

08.05.21

Rot-Weiss Köln ist seiner Favoritenrolle im ersten Halbfinale gerecht geworden und steht damit erstmals seit 2018 wieder im Finale der Hockeyliga. 90 ganz starke Sekunden reichten den Domstädtern, um ein 2:4 in ein 5:4 umzubiegen und die Weichen auf Sieg zu stellen. „Das war eine wahnsinnig krasse Teamleistung“, resümierte Kölns Kapitän Mats Grambusch, der das Dreierpack im vierten Viertel einleitete.

„Wir haben zunächst nicht genügend Chancen rausgespielt, während Berlin aus zwei Chancen zwei Tore macht. Am Ende haben wir einen nervenstarken Christopher Rühr vom Punkt und haben jetzt Bock, morgen das Ding zu holen“, ergänzte der Nationalspieler. Der BHC hatte zwölf Minuten vor Schluss bereits mit 4:2 geführt, doch dann drehte Köln durch zwei Siebenmeter von Rühr sowie einem Feldtor von Florian Adrians die Begegnung in weniger als eineinhalb Minuten. „Bis auf die eine Minute, wo wir das Momentum verlieren, ist unser Plan ziemlich gut aufgegangen“, sagte BHC-Coach Rein van Eijk. „Es tut unfassbar weh, denn das war ein Spiel auf Augenhöhe.“

Die Partie begann mit gegenseitigem Abtasten, Torchancen und Kreiseintritte waren zunächst Mangelware. Es dauerte bis zur zehnten Spielminute, ehe Tom Neßelhauf die erste Möglichkeit des Spiels hatte, sein Schlag aber am Tor vorbeirauschte. Besser machten es im Gegenzug die Kölner, als der gebürtige Berliner Thies Prinz (11.) den ersten Angriff zur 1:0-Führung verwandelte. Im Anschluss hatte der Vorrunden-Meister sogar die Chancen, die Führung auszubauen, doch erst vergab Moritz Trompertz (13.) aus dem Spiel heraus, ehe BHC-Torwart Moritz Kentmann die Strafecke von Mink van der Weerden (14.) entschärfte.

Die Viertelpause kam somit aus Berliner Sicht gerade recht in die Kölner Druckphase hinein. Nach Wiederanpfiff erspielte sich der Hauptstadtclub seine erste Ecke nach Fußspiel von van der Weerden. Martin Häner ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen und schlenzte zum 1:1 ein. Für den Olympiasieger, der nach dem Final Four seine Bundesliga-Karriere beendet, war es bereits der 23. Saisontreffer. Doch die Freude über den Ausgleich hielt nicht lange, denn erneut war es Prinz (19.), der frei am langen Pfosten stand und den Querpass zum 2:1 ins Tor tippte. Die Berliner blieben erneut unbeeindruckt und schlugen noch im zweiten Durchgang zurück. Diesmal drückte Neßelhauf (23.) den Ball im Nachsetzen über die Linie. Je länger die Partie lief, desto besser fand der BHC ins Spiel. Adrian Lehmann-Richter sah fünf Minuten vor der Pause die Grüne Karte wegen unsportlichen Verhaltens, doch Köln konnte aus der Überzahl kein Kapital schlagen, sodass es beim Stand von 2:2 in die Pause ging.

Es waren noch keine fünf Minuten im dritten Durchgang gespielt, als Marian Klink (40.) den ersten Berliner Angriff zur erstmaligen Führung verwertete. Im Anschluss hatte Maximilian Siegburg (42.) den Ausgleich auf dem Schläger, doch er verzog nach starker Vorarbeit von Christopher Rühr frei vor dem leeren Berliner Kasten. Köln nahm im Anschluss den Videobeweis, es wurde aber kein Regelverstoß der Berliner festgestellt, sodass die Domstädter ihr Anrufsrecht verloren. Diese Entscheidung löste Emotionen bei Rot-Weiss aus, was in einer Grünen Karte gegen Rühr resultierte. Die Unterzahl überstand der Favorit aber schadlos.

Im Schlussabschnitt überschlugen sich dann die Ereignisse: Der gebürtige Berliner und Ex-Kölner Jonas Gomoll (48.) setzte zunächst noch einen drauf, indem er nach starker Vorarbeit von Luca Wild auf 4:2 erhöhte. Doch es dauerte nur eine Minute und der Spielstand stand komplett auf dem Kopf. Zunächst verwandelte Christopher Rühr (48.) einen Siebenmeter zum 3:4, ehe Florian Adrians (49.) direkt den nächsten Angriff zum 4:4 verwandelte. Doch damit nicht genug: Köln bekam in der 50. Minute einen weiteren Siebenmeter zugesprochen und erneut blieb Rühr eiskalt.

Der BHC hätte drei Minuten vor dem Ende per Strafecke wieder ausgleichen können, aber diesmal scheiterte Häner. Elian Mazkour (58.) machte dann mit dem Schuss ins leere Tor zwei Minuten vor Schluss alles klar. „Der BHC hat außerordentlich gut verteidigt“, sagte KTHC-Coach André Henning. „Wir haben viel mental gearbeitet und darüber gesprochen, was man machen muss, um nicht den Kopf zu verlieren.“

Während Köln nun am Sonntag nach dem neunten Titel greifen kann und auch im zwölften Spiel in Serie unbesiegt bleibt, verabschiedet der BHC seinen Olympiasieger Martin Häner mit einer Niederlage in den sportlichen Ruhestand. „Wir schauen zurück auf eine Mega-Karriere, es tut mir Leid, ihn mit einer Niederlage zu verabschieden“, sagt van Eijk.

Foto: HOCKEYLIGA e.V. / Dirk Markgraf